| Norddeutsche Rundschau Fachkräftemangel spitzt sich zu

Unternehmensverband Unterelbe-Westküste: Die Steinburger Wirtschaft brummt - doch die Firmen bekommen kaum noch Personal.

ITZEHOE Der Fachkräftemangel wird immer mehr zu einem Problem für Steinburger Betriebe. „Der demografische Wandel ist spätestens jetzt auch in der Fläche angekommen“, sagt Lutz Bitomsky. Der Vorsitzende des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste stellte gestern zusammen mit den beiden Geschäftsführern Sebastian Koch und Ken Blöcker die halbjährliche Konjunkturumfrage bei Unternehmen aus dem Verbandsgebiet der Arbeitgeberorganisation vor. „Einige Firmen mussten aufgrund von Mitarbeitermangel auch schon Aufträge ablehnen“, beschreibt Koch die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Es dauert laut Unternehmensverband immer länger, bis eine Stelle erfolgreich besetzt werden kann. Gaben im vergangenen Sommer noch 27 Prozent der Personalleiter an, eine Stelle unter 30 Tagen besetzen zu können, sind es inzwischen nur noch zwölf Prozent. Die meisten fänden zwar ihr Personal noch im Zeitrahmen von 30 bis 60 Tagen (36 Prozent). 52 Prozent suchen hingegen über 70 Tage nach geeignetem Personal. Im Winter 2016 belief sich der Wert noch auf nur elf Prozent. „Das Fehlen von Fachkräften wird inzwischen von 52 Prozent der Unternehmer als eines der größten unternehmerischen Risiken eingestuft“, betont Blöcker. Lediglich die Sorge, dass Kunden und Aufträge ausblieben, zeige einen ähnlich hohen Wert (76 Prozent).

Dass Fehlen von Fachkräften führe bisweilen auch schon zu „Kannibalismus“ zwischen Firmen, sagt Sebastian Koch. Mitarbeiter würden abgeworben, auch Headhunter kämen zum Einsatz, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Dies wirke sich wiederum auf die Personalkostenstruktur eines Betriebes aus. Die Unternehmen würden die Probleme gern lösen, in dem sie unter anderem mehr Auszubildende einstellen, aber „die Bewerberlage muss auch passen“, betont Bitomsky. Und das sei nicht der Fall, auch Auszubildende würden dringend gesucht. Koch rät den Unternehmen, bei Stellenanzeigen die Ansprüche etwas herunterzuschrauben und im persönlichen Gespräch nach Lösungen zu suchen, um Bewerber eventuell im Betrieb nachzuschulen oder weiter zu qualifizieren. Neben dem Mangel an Fachkräften ist es der Bürokratieaufwand, der die Unternehmer weiter am stärksten in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung belastet(60 Prozent). „Wir appellieren an die Politik, den Bürokratieabbau entschlossener und ambitionierter voranzutreiben.“Mit demgerade geschlossenen Koalitionsvertrag sehen die Unternehmer das Land auf einen guten Weg. Dies gilt auch für dieA 20.Die Arbeitgeber begrüßen es, dass die Landesregierung den Bau zügig vorantreiben will. Denn die bisher fehlende A 20 werde von 60 Prozent der Unternehmer als „riesiges Hemmnis“ betrachtet, so Blöcker.

Insgesamt, so die Einschätzung der Unternehmensverbands-Vertreter, gehe es der Wirtschaft sehr gut, sie sei auf einem hohen Niveau. Allerdings seien die Steinburger Arbeitgeber nicht so zufrieden wie ihre Kollegen in anderen Kreisen. 21 Prozent beurteilen die generelle Entwicklung schlechter als vor einem halben Jahr, im Verbandsdurchschnitt sind es nur zehn Prozent. Die Auftragseingänge sind bei 40 Prozent der Betriebe gestiegen, gleichzeitig aber bei 20 Prozent zurückgegangen. „Bei einem kleinen, aber durchaus nennenswerten Teil scheint der Daueraufschwung nicht anzukommen“, sagt Blöcker.
Joachim Möller

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